Drei Serien

Diffusion – dieses universelle Phänomen ist Tegethoffs Leitmotiv seines Projekts, für das er kurzerhand einen Ismus benutzt und so beinahe schon ein Genre erfindet.

Diffusionism besteht aus den Serien
Diffusions, der Beschäftigung mit den zyklischen Verteilungsbewegungen in der Atmosphäre,
Umbra, das den einzigartigen Moment in den Vordergund stellt, an dem der Schatten der Erde in ihrer eigenen Atmosphäre sichtbar wird, und
Exposed, einem Projekt mit Langzeitbelichtungen, wobei die Kamera ungewöhnlicherweise nicht stillsteht, sondern aus einer hochdynamischen Plattform in ein statisches Szenario schaut.

Leitmotiv

Der zugrundeliegende Ansatz ist die Sichtbarmachung selbstähnlicher Körperlichkeit unserer Existenz, ein charakteristisches Stilelement ist das Spiel mit Proportionen: Alle Aufnahmen entstehen in großen Höhen von mehreren Kilometern und zeigen monumentale Welten, die dimensionslos wirken und doch gleichzeitig an mikroskopisch kleine Strukturen erinnern.

Bei der Umsetzung der großen Motive der Serie Diffusions vertraut Tegethoff auf analoge Technologie. Diese Bilder sind auf klassischem Rollfilm fotografiert, so daß sich die Struktur der Welt ihr unverändertes Abbild in der Kamera selbst schafft – ein bewußt nicht-optimierter Vorgang von (besonders im digitalen Zeitalter) poetischer Verletzlichkeit.

Die Motive scheinen ortlos, allgegenwärtig, fremd und doch vertraut. Der Betrachter taucht ein in Weite und Raum, Aggregatzustände und Dimensionen sind kaum einschätzbar. Hinter einem diffus altbekannt erscheinenden Fluß ferner Proportionen offenbart sich ein universelles Prinzip, das sich durch den Verstand allein kaum erschließen läßt.

Wie die Meereshorizonte des japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto oder die Seascapes des Malers Gerhard Richter folgen auch Tegethoffs Aufnahmen einer eigenen, geheimnisvollen Unbestimmtheit entlang übermenschlicher Maßstäbe bis hin zu innerster Berührung.